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Diabetes

Zur Situation von Nieren­patienten mit Diabetes mellitus

Eine Einschätzung

SDD: Herr Dr. Merker, inwiefern hat sich die Behandlung nierenkranker Diabetespatienten in den letzten Jahren verändert?

L. M.: Immer mehr multimorbide Patienten in immer höherem Lebensalter müssen zu real sinkenden – weil nicht an die allgemeine Kostenentwicklung angepassten – Erstattungssätzen behandelt werden. Dies stellt auch zunehmend für das Dialysepersonal eine Belastung dar, da immer mehr Versorgungsmängel des allgemeinen Gesundheitsfürsorgesystems von ihm aufgefangen werden muss.

SDD: Mittlerweile wird in vielen Fachgebieten von der Ökonomisierung der Medizin gesprochen. Inwiefern sind niereninsuffiziente Patienten mit Diabetes im präterminalen Stadium von einem steigenden Kostendruck betroffen?

L. M.: Sie erhalten oft nicht die notwendige Arznei, beispielsweise in Folge des Beschlusses des Gemeinsamen Bundesausschusses zu Repaglinid, einem Antidiabetikum. Gerade den mulitmorbiden Menschen mit Diabetes und Niereninsuffizienz wird häufig vermittelt, dass sie eigentlich nur noch ein Kostenfaktor sind.

SDD: Welche besonderen Herausforderungen bestehen bei der Behandlung von dialysepflichtigen Diabetespatienten?

L. M.: Es gibt viel zu wenig speziell für Diabetes qualifiziertes Dialysepersonal. Der allgemeine Kostendruck führt nicht zuletzt zum Ersatz von examinierten Pflegekräften durch Dritte wie Medizinische Fachangestellte und andere Hilfskräfte. Beides bringt erhebliche Nachteile für komplex Kranke wie dialysepflichtige Diabetespatienten mit sich.

SDD: Es wird kritisiert, dass die „sprechende Medizin“ nicht ausreichend honoriert wird. Was wäre aus Ihrer Sicht notwendig, um dieser Komponente bei der Behandlung von Diabetespatienten mit Niereninsuffizienz Rechnung zu tragen?

L. M.: Diabetestherapie ist Sprechmedizin und ganzheitliche Betreuung eines chronisch Kranken teilweise über Jahrzehnte seines Krankheitsschicksals. Dieses findet in keiner deutschen Gebührenordnung Niederschlag.

SDD: Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung in Ihrem Fachgebiet ein?

L. M.: Die Zahl von Menschen mit Diabetes wird weltweit und in Deutschland steigen. Aufgrund des Nachwuchsmangels stehen für die Versorgung dieser Patienten immer weniger Diabetologen in Zukunft bereit. Auch gibt es massiv zu wenige im Diabetes qualifizierte nephrologische Fachkräfte.

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