Anzeige

Diabetes

Wenn’s ums Geld geht

Die Folgen von Spar­maß­nahmen für Diabetes­patienten

Wie bereits Anfang des Jahres berichtet, nimmt die Anzahl der Diabetespatienten bundesweit zu.1 Allerdings sieht die Deutsche Diabetes Gesellschaft die hohe Versorgungsqualität der Patienten durch den zunehmenden Kostendruck gefährdet. Anlässlich ihrer Jahrespressekonferenz im März äußerte sich die medizinische Fachgesellschaft besorgt über den steigenden ökonomischen Wettbewerb in Kliniken und die Auswirkungen des Arzneimittelneuordnungsgesetzes (AMNOG) auf Therapiestrategien.

Versorgungsengpässe im stationären Sektor befürchtet

Der steigenden Anzahl von Patienten in Krankenhäusern – im Jahr 1991 waren es noch rund 14,6 Millionen, 2015 bereits 19,2 Millionen – stehen eine nahezu halbierte Verweildauer und ein deutlicher Abbau der Betten gegenüber, insbesondere im Bereich der allgemeinen Inneren Medizin.2 Vor allem die Diabetologie als sogenannte sprechende Medizin gelte als unrentabel, führt Dr. med. Erhard Siegel, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin am St. Josefskrankenhaus in Heidelberg, aus. Grund dafür sei das DRG-System (diagnosis-related groups), in dem bestimmte Leistungen, wie etwa Diabetes-Schulungen, nicht entsprechend honoriert würden.

Eine besondere Herausforderung in der stationären Versorgung stellen Patienten mit schlecht eingestelltem Diabetes mellitus dar, da dieser zu signifikant mehr Komplikationen führt. Eine optimale Begleitbehandlung des Diabetes hingegen bietet ökonomische Vorteile und schlägt sich zudem im Qualitätsmonitoring beispielsweise der operativen Fachgebiete nieder.

Gefährdet wird die Versorgung der Diabetespatienten zusätzlich durch ein Nachwuchsproblem auf ärztlicher Seite: Aufgrund der sinkenden Anzahl an Lehrstühlen für Diabetologie an deutschen Universitäten bleibt die Aus- und Weiterbildung auf der Strecke. In der Folge müssen immer weniger Experten eine stetig wachsende Anzahl an Patienten mit Diabetes versorgen.

Kosten des Diabetes

Die Versorgung von Menschen mit Typ-2-Diabetes kostet die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) etwa 16 Milliarden Euro pro Jahr. Damit werden zehn Prozent der GKV-Gesamtausgaben in Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes ausgegeben.3 Die globalen Kosten der Stoffwechselerkrankung werden auf 1,3 Billionen US-Dollar im Jahr 2015 beziffert.4

Weniger Therapieoptionen für Diabetespatienten

Auch wenn die durch das AMNOG herbeigeführte Preisregulierung von der Deutschen Diabetes Gesellschaft grundsätzlich begrüßt wird, kritisiert die Fachgesellschaft die Methode zur Feststellung eines Zusatznutzens bei neuen Medikamenten. Seit Einführung des Gesetzes wurden acht Substanzen in der Diabetologie vom Markt genommen, denen der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) keinen Zusatznutzen bescheinigt hatte.

In der Folge hätten sich die Hersteller am Preisrahmen der Vergleichstherapie orientieren müssen, der bei Diabetes mellitus häufig im Cent-Bereich liegt. Damit werden die Präparate aus Sicht der Hersteller jedoch unrentabel.

Anfuehrungszeichen

Mittelfristig wird es einen eklatanten Mangel der Patientenversorgung im stationären Sektor geben.

Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel
Chefarzt der Abteilung Innere Medizin am St. Josefskrankenhaus Heidelberg

 

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft beanstandet insbesondere die fehlende, strukturierte Einbindung von wissenschaftlichen Fachgesellschaften in die Bewertungsverfahren sowie die nicht vorhandene, abschließende Plausibilitätskontrolle.

Das Verfahren in seiner gegenwärtigen Form führe dazu, dass das therapeutische Spektrum in den meisten anderen Ländern größer sei als in Deutschland und die verfügbaren Therapieoptionen nicht dem „medizinischen Standard“ entsprächen, so Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Literatur:

  1. Schneider C: Diabetes als Hauptrisiko für Nierenerkrankungen, Spektr Dial , 07(1): 37 (2017).
  2. www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Krankenhaeuser/Tabellen/KrankenhaeuserJahreOhne100000.html;jsessionid=ECCA0BBB94AAC37B2FB190D38C17A6A0.cae4, letzter Aufruf: 03.04.2017.
  3. Jacobs E, Hoyer A, Brinks R, Icks A, Kuß O und Rathmann W: Healthcare costs of Type 2 diabetes in Germany, DIABETIC Medicine, 9. März 2017.
  4. Bommer C et al.: The global economic burden of diabetes in adults aged 20-79 years: a cost-of-illness study, The Lancet Diabetes & Endocrinology (2017),
    doi: 10.1016/S2213-8587(17)30097-9
[mashshare]