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Management

Praxis-Investi­tionen richtig planen

Kauf, Bank­kredit oder Leasing?

Laborausstattung, Ultraschall oder modernste Dialysegeräte sind nur ein Teil der medizinischen Ausstattung, die nötig ist, um die Patienten bestens zu versorgen. Aber technisch auf dem neuesten Stand zu bleiben, hat seinen Preis. Da stellt sich die Frage, welches Finanzierungsmodell steuerlich sinnvoll ist.

Sparschwein

© Fabian Blank | Unsplash.com

Es gibt verschiedene Finanzierungsmodelle, um die Praxisausstattung anzuschaffen, Geräte zu erneuern oder zu ergänzen. Eine Empfehlung, welches die beste Finanzierung ist, gibt es nicht, denn der Einzelfall ist entscheidend. Grundsätzlich sollten jedoch für die Finanzierungsformen Kauf, Finanzierung mit Bankkredit oder Leasing die jeweiligen steuerlichen Auswirkungen genau unter die Lupe genommen werden.

Kauf mit Eigenmitteln

Wird ein Wirtschaftsgut mit Eigenmitteln – also mit Geld vom Konto – erworben, das mehrere Jahre genutzt werden soll und dessen Kaufpreis über 1.000 Euro liegt, dann wird es zunächst einschließlich aller Anschaffungsnebenkosten im Anlagevermögen erfasst (siehe Tipp „Geringwertige Wirtschaftsgüter“). Anhand der amtlichen Abschreibungstabellen wird dann die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer für die Abschreibung festgestellt. Hierbei handelt es sich um Erfahrungswerte, die vom Bundesministerium der Finanzen festgelegt wurden. Sie stellen Richtwerte dar, sind allerdings nicht immer bindend. Sie sind unabhängig von der tatsächlichen Nutzung in der Praxis. Zum Beispiel wird ein Dialysegerät über acht Jahre abgeschrieben. Kostet dieses beispielhaft rund 10.000 Euro, dann können pro Jahr 1.200 Euro abgeschrieben und somit als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Es handelt sich hierbei um eine lineare Abschreibung. Bei dieser werden die gesamten Anschaffungskosten gleichmäßig über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer verteilt und als Betriebsausgabe erfasst. Wenn das Wirtschaftsgut verkauft wird, ist vom Verkaufserlös der in der Buchhaltung erfasste Restbuchwert zum Zeitpunkt der Veräußerung abzuziehen. Die Differenz ist dann zu versteuern.

Vorteile des Kaufs mit Eigenmitteln sind beispielsweise:

  • Das Gerät geht sofort in das Eigentum der Praxis über.
  • Wird das Gerät nicht mehr benötigt, kann es problemlos verkauft werden.
  • Preisnachlass beim Hersteller kann verhandelt werden.
  • Es fallen keine Finanzierungskosten an.

Nachteilig wirkt sich aus, dass die gesamte Summe auf einmal fällig ist und damit die Liquidität der Praxis belastet.

Geldscheine in der Hand

© ECOVIS

Fremdfinanzierter Kauf

Wenn das Wirtschaftsgut mit einem Darlehen der Bank oder des Lieferanten finanziert wird, sind steuerlich die gleichen Konsequenzen zu beachten wie beim Kauf mit eigenem Geld. Zusätzlich sind die Finanzierungskosten – also Zinsen und Gebühren – als Betriebsausgaben steuerlich abzugsfähig. Zu beachten ist, dass die Finanzierungsdauer nichts mit der betrieblichen Nutzungsdauer zu tun hat. Wenn zum Beispiel für ein Dialysegerät eine Finanzierung über drei Jahre vereinbart ist, wird es trotzdem nach den amtlichen Tabellen (also über acht Jahre) abgeschrieben. Bei der Kreditfinanzierung geht das Investitionsobjekt wie beim Kauf mit Eigenmitteln in das Eigentum des Kreditnehmers über, die Liquidität wird nicht negativ beeinflusst. Allerdings werden von Banken häufig Sicherheiten eingefordert. Zudem sind die Raten regelmäßig zu zahlen, auch wenn die Praxis mal nicht so gut laufen sollte.

Anfuehrungszeichen

Welches Finanzierungsmodell in Frage kommt, hängt vom Einzelfall ab. Jedes Investitionsvorhaben ist daher anzuschauen und nach steuerlichen Gesichtspunkten zu prüfen.

 

Leasing

Die monatlichen Leasingraten (siehe „So entsteht die Leasingrate“) sind sofort abzugsfähige Betriebsausgaben. Da das Leasingobjekt zivilrechtlich Eigentum des Leasinggebers ist, wird es nicht im Anlagevermögen der Praxis erfasst. So wird das Eigenkapital bei Bilanzierenden nicht verändert. Allerdings ist Vorsicht geboten, denn hiervon gibt es Ausnahmen. Häufig werden Sonderzahlungen vereinbart, die in der Regel zu Beginn anfallen.

  • Hat der Leasingvertrag eine Laufzeit von weniger als fünf Jahren, wird bei der Gewinnermittlung durch Einnahmen-Überschussrechnung die komplette Sonderzahlung im Jahr der Bezahlung als Betriebsausgabe geltend gemacht. Beim allgemeinen Spitzensteuersatz kann das eine Steuerersparnis von etwa 42 Prozent des Sonderzahlungsbetrags bedeuten.
  • Bei mehr als fünf Jahren Laufzeit ist die Sonderzahlung auf die Laufzeit des Vertrags zu verteilen und somit anteilig als Betriebsausgabe abzuziehen. Eine eventuelle Leasingschlusszahlung ist im gleichen Jahr als Betriebsausgabe abzugsfähig, wenn das Wirtschaftsgut an die Leasinggesellschaft zurückgegeben wird. Sollte es mit der Schlusszahlung ins Eigentum des Arztes übergehen, dann ist zu prüfen, ob überhaupt von Anfang an Leasing vorlag. Wenn das der Fall ist, dann wird die Schlusszahlung als Anschaffungskosten gesehen. Steuerlich wird das Wirtschaftsgut dann wie der Kauf mit Eigenmitteln behandelt.

In allen drei Fällen stellen die Aufwendungen für den laufenden Betrieb wie Wartung, Instandhaltung oder Reparaturen grundsätzlich sofort abzugsfähige Betriebsausgaben dar, die den steuerlichen Gewinn mindern.

So entsteht die Leasingrate

Die Höhe der monatlich fälligen Leasingrate wird nach feststehenden Kennzahlen berechnet:

  • Kaufpreis
  • Laufzeit
  • Restwert
  • Anzahlung
  • kalkulatorischer Zinssatz des Leasinggebers (Refinanzierungs- und Verwaltungskosten, Verdienstspanne)

Tipp: Geringwertige Wirtschaftsgüter – neue Grenzen ab 2018

Ab 2018 gelten neue Grenzen für die steuerliche Behandlung geringwertiger Wirtschaftsgüter wie Schreibtischlampe oder Kaffeemaschine. Da lohnt es sich, kleinere Anschaffungen ins neue Jahr zu schieben. Kostet das Wirtschaftsgut, das ab 2018 angeschafft wird, bis 250 Euro netto (alt: 150 Euro), kann der Betrag im Jahr der Anschaffung sofort als Betriebsausgabe abgezogen werden. Liegen die Kosten bei 250 Euro bis maximal 800 Euro, stehen drei Möglichkeiten der Abschreibung zur Verfügung:

  1. Abzug der Anschaffungskosten in voller Höhe als Betriebsausgaben. In diesem Fall ist ein laufend zu führendes Verzeichnis der geringwertigen Wirtschaftsgüter zu erstellen, sofern sich die Angaben nicht aus der Buchführung ergeben („Sofortabzug“).
  2. Aktivierung der Anschaffungskosten im Anlagevermögen. Hier gilt dann die Absetzung für Abnutzung (AfA) über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer.
  3. Einstellung in einen Sammelposten. Alternativ zum Sofortabzug können geringwertige Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungskosten ab 2018 über 250 Euro und bis zu 1.000 Euro netto betragen, in einen jahresbezogenen Sammelposten eingestellt werden. Dieser ist im Jahr der Anschaffung und in den vier darauffolgenden Wirtschaftsjahren zu jeweils 20 Prozent abzuschreiben – also insgesamt über fünf Jahre.

Checkliste:
Welche Finanzierungsform passt?

Um zu entscheiden, welche Finanzierungsform (Kauf mit Eigenmitteln, Bankkredit, Leasing) für Ihre Investition am besten geeignet ist, sollten Sie sich im ersten Schritt einige Fragen beantworten und sich mit Ihrem persönlichen Berater austauschen.
Dann können Sie eine realistische Entscheidung treffen, die auch steuerlich gesehen für Ihr Vorhaben passt.

  • Wie lange soll das Investitionsobjekt genutzt werden?
  • Wie hoch ist schätzungsweise die Auslastung?
  • Können die Betriebsstunden (pro Jahr) abgeschätzt werden?
  • Wie hoch wird der Instandhaltungsaufwand während der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer sein? Gibt es dazu Erfahrungswerte?
  • Wie viele Eigenmittel stehen für die Investition zur Verfügung?
  • Gewährt die Bank genügend Kreditmittel?
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