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Steckbrief

Mit Ent­schlossen­heit das Ziel erreichen!

Thomas Lehn

Thomas Lehn mit Urkunde © privat

Der Rheinland-Pfälzer ist von Geburt an nierenkrank. 1970 begann Thomas Lehn als eines der ersten Kinder in Heidelberg die Dialysebehandlung, für die Heim-Hämodialyse mit seiner Ehefrau als Partner entschied er sich 1983. Der 61-Jährige war niemals transplantiert, die Transplantation ist derzeit auch keine Option für ihn. Der gebürtige Mainzer engagiert sich als Vorstandsmitglied in verschiedenen Verbänden wie Interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft Dialysezugang IAD e.V., Bundesverband Niere e.V. und Dialysepatienten Mainz e.V. Für seine ehrenamtliche Tätigkeit in der Selbsthilfe erhielt er mehrere Auszeichnungen, zuletzt den Ehrenamtspreis 2017 des Landes Rheinland-Pfalz.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Mein Berufswunsch war es, Medizin zu studieren. Aus psychischen Gründen und wegen meiner Dialysepflicht wurde mir von diesem Beruf abgeraten. Ich habe mich dann für die EDV entschieden. Seit 1980 arbeite ich als IT-Systemtechniker im Rechenzentrum des Landes Rheinland-Pfalz.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?

Die Anforderungen meiner Arbeit ändern sich ständig, da die IT-Betriebssysteme der EDV-Welt sehr kurzlebig sind und immer weiterentwickelt werden. Das bedeutet aber auch für mich: ständiger Fortbildungsmodus. Meine Arbeit in der Selbsthilfe ist ein Ausgleich und bedeutet mir sehr viel, weil ich meine Erfahrungen, die ich in den 47 Dialysejahren erworben habe, an meine Mitpatienten weitergeben kann.

Die Dialyse in 20 Jahren…

Ich denke, die Forschung wird sich immer mehr auf eine „künstliche Niere“ konzentrieren, die in den Bauchraum installiert wird, die wartungsfrei am Blutkreislauf und am Harnleiter angeschlossen ihren Dienst verrichtet. Eine bestimmte Patientenklientel mit Gefäßproblemen und weiteren Erkrankungen wird wohl weiterhin dialysiert werden müssen. Die Dialysefilter werden immer mehr der menschlichen Niere angeglichen. Die heute noch auftretenden Langzeitschäden bei Dialysepatienten wird es in Zukunft nicht mehr geben.

Was ist Ihre größte Stärke?

Ich glaube, dass eine meiner Stärken das Zuhören ist. Manche meinen, dass ich Ruhe, Geduld und Optimismus ausstrahle. Ich versuche, jedem gerecht zu werden.

Was ist Ihre größte Schwäche?

Meine Frau sagt manchmal zu mir, ich sei ein Dickkopf. Nun, das stimmt schon – gelegentlich. Das befähigt mich aber auch, einer Sache entschlossen nachzugehen, um etwas zu erreichen.

Was spornt Sie an bei Ihrer Tätigkeit?

Bei meiner Tätigkeit als Patientenvertreter in der Selbsthilfe kann ich meine Erfahrungen an meine Mitpatienten weitergeben. Ich freue mich, wenn ich helfen kann und manchmal mit ihnen ihre Probleme lösen darf. Ich denke, das ist für mich auch eine Art Krankheitsbewältigung, die mich anspornt, in der Selbsthilfe tätig zu sein.

Was war Ihr größter Erfolg?

Gemeinsam mit Martin Müller von den „Jungen Nierenkranken Deutschland“ haben wir einer jungen Frau aus Russland eine Operation ihres verschlossenen Dialyseshunts in Wiesbaden ermöglicht, sie konnte mit neuem Dialysezugang nach Hause fliegen. Die Kosten für die OP und die Dialysebehandlungen danach wurden gespendet – die 14 Tage Erholung in unserem Haus waren selbstverständlich. Ich halte immer noch Kontakt zu ihr und bin glücklich, dass es ihr gesundheitlich soweit gut geht.

Das größte Rätsel in der Dialyse…

…ist es, die Funktionen der Nieren nachzuahmen. Die Nieren sind so einzigartig und in ihren Funktionen so vielfältig, dass eine künstliche Niere heute noch nicht zu leisten vermag, was eine Niere Tag für Tag macht.

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