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Nephrologie

Breit gefächer­tes Programm für Nieren-Spe­zia­lis­ten

Kongress für Nephro­logie in Mann­heim 2017

Mit großer Spannung war der diesjährige Kongress für Nephrologie vom 14. bis 17. September erwartet worden  ̶  schließlich hatte die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) ihren Tagungsort nach vier Jahren von Berlin in den Mannheimer Rosengarten verlegt.

Besucher auf dem Kongress für Nephrologie 2017 in Mannheim

Etwa 1.500 Nieren-Experten nutzten die mehrtägige Veranstaltung zur Fortbildung und zum Austausch mit Kollegen. Die Bandbreite des Programms reichte von Grundlagenforschung über politische Themen bis hin zu praxisorientierten Workshops. Schwerpunkte des diesjährigen Kongresses bildeten die Themen Diabetes, Blutdruck und Digitalisierung.

Vorstellung neuer Blutdruckzielwerte

Kongresspräsident Prof. Dr. Bernhard K. Krämer von der Universitätsmedizin Mannheim betonte die Komplexität des Krankheitsbilds Bluthochdruck und resümierte: „Die moderne Therapie muss daher risikoadaptiert und stärker individualisiert erfolgen.“ Dies beziehe sich auch auf die Blutdruckzielwerte. Als Folge der SPRINT-Studie empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga e.V. (DHL®), deren Vorstandsvorsitzender Professor Krämer ist, eine Senkung des Zielblutdrucks für Herz-Kreislauf-Risikopatienten auf unter 135/85 mmHg.

Allerdings lässt sich der Blutdruck bei 65 Prozent der Hypertonie-Patienten nur schwer medikamentös einstellen, wie Kongresspräsident Prof. Dr. Martin Hausberg aus Karlsruhe zugab. Die Ursache dafür sei jedoch nicht immer in einer Therapieresistenz zu finden, auch andere Faktoren wie die sogenannte „Weißkittelhypertonie“, eine ungenügende Therapietreue des Patienten oder sekundäre Hypertonie-Ursachen sollten in Betracht gezogen werden. Wichtig sei in diesen Fällen die Überweisung zu einem Nephrologen/Hypertensiologen.

Schutz für die Nieren durch moderne Antidiabetika

Ebenso wie Bluthochdruck kann auch Diabetes mellitus zu Niereninsuffizienz führen: In Deutschland kommen jedes Jahr rund 2.000 Diabetiker erstmals an die Dialyse. Eine diabetische Nephropathie kann durch verschiedene Allgemeinmaßnahmen wie die Umsetzung eines gesunden Lebensstils, Bewegung und die Reduktion des Kochsalzkonsums verhindert werden. Auch mit Medikamenten lässt sich das Fortschreiten der chronischen Niereninsuffizienz bei Diabetikern aufhalten. Professor Dr. Jan Galle, Pressesprecher der DGfN, zeigte sich erfreut über die neuen Therapieoptionen bei Typ-2-Diabetikern: In den vergangenen Jahren wurden orale Antidiabetika zugelassen, die nicht nur den Blutzucker senken, sondern auch die Nieren schützen.

Digitalisierung der Nephrologie

Die Digitalisierung hat längst alle Bereich der Medizin erfasst ̶ zumal auch die Patienten selbst regen Gebrauch von Online-Gesundheitsdiensten und Apps machen. DGfN-Präsident Professor Dr. Mark Dominik Alscher, Stuttgart, äußerte sich jedoch besorgt über den Umgang mit den Patientendaten und forderte die Politik auf, regulierend einzugreifen. Bis dahin sollten Fachgesellschaften den Patienten im Rahmen von Zertifizierungen eine Orientierung geben. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie hat zu diesem Zweck die Kommission „Digitale Nephrologie“ ins Leben gerufen. „Wir möchten uns dafür stark machen, dass Patienten nicht unwissend um ihre Daten betrogen werden, sondern dass sie Systeme nutzen, die gewährleisten, dass die Daten nicht an Dritte weitergegeben werden. Denn was oft vergessen wird: Die Daten gehören den Patienten“, so Alscher. Auf der anderen Seite blieben Chancen der Digitalisierung ungenutzt: In der europäischen Dialyselandschaft sticht Deutschland als weißer Fleck hervor, zumal alle europäischen Nachbarn im Gegensatz zu Deutschland über ein Dialyseregister verfügen. Wie Alscher hervorhob, gebe es in keiner medizinischen Berufsgruppe so gute Daten wie in der Nephrologie. Allerdings könne der Schatz nicht gehoben werden, da die Fachgesellschaft die Daten nicht nutzen darf.

Anfuehrungszeichen

Das jetzige System der Erfassung von Dialysedaten ist eine Sackgasse. Es läuft den Interessen der Patienten und der Nephrologen zuwider.

Professor Dr. Mark Dominik Alscher
DGfN-Präsident

 

Weitere Informationen sowie Vorträge vom Kongress für Nephrologie in Mannheim sind auf folgender Seite zu finden:

https://nephrologie.conference2web.com

 

Save the Date:

10. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie

27. – 30. September 2018

Berlin

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