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Pflege

Blinde Punktion muss nicht sein!

Imple­men­tierung der ultra­schall­gesteuerten Shunt­punktion

Die Cimino-Brescia-Fistel für Hämodialyse gibt es seit 1966. Sie war der erste Gefäßzugang, der eine Vielfachpunktion ermöglichte, also zu jeder Dialyse, ohne dadurch zerstört zu werden.1 Die Punktion der AV-Fistel wird in der Regel von erfahrenem Dialysepersonal durchgeführt, welches bei ca. 200 Arbeitstagen und sechs Punktionen am Tag auf eine Punktionserfahrung von mindestens 1.200 Punktionen pro Jahr kommt.

Doch wer kennt das nicht? Der Tastbefund vor der Punktion entspricht nicht der Wirklichkeit, es kommt zur Fehlpunktion! Es beginnt das Korrigieren der Kanüle, „Trial-and-Error“. In Deutschland punktieren Nephrologen in einigen wenigen Dialysezentren seit vielen Jahren die schwierige AV-Fistel ultraschallgesteuert. Sie berichten, dass die Fehlpunktionsrate gegen Null geht.2 Die Ultraschallanwendung ist gut erlernbar und eine anzustrebende Erweiterung der Fähigkeiten und Fertigkeiten für Dialysepflegepersonal.

Leicht zu erlernende Technik

Seit knapp drei Jahren führt die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Dialysezugang, kurz IAD e. V., und das Institut für Fort- und Weiterbildung ifw Tagesseminare und Inhouse-Schulungen zur ultraschallgesteuerten Shuntpunktion durch. Praktische Übungen der Schallkopfführung finden am Dialyseshunt statt, für erste Punktionserfahrungen stehen aus Gelatine hergestellte Phantome zur Verfügung.

Es wurden bisher 274 Teilnehmer geschult. Sie kamen aus Deutschland, Österreich, Italien, Schweiz, Niederlande, Luxemburg und Dänemark. Zur Evaluation der Schulungen wurden die Teilnehmer sowie 37 Zentrumsleitungen anonym befragt. Die wesentlichen Erkenntnisse der Befragung sind: 65 Prozent der Teilnehmer wenden nach der Schulung die ultraschallgestützte Punktion im Dialysealltag an, 73 Prozent werden von der Leitung und/oder dem Arzt ermutigt, ihre neuen Fähigkeiten zu festigen und an Kollegen weiterzugeben. Die häufigste Indikation für den Einsatz sind schwierige Punktionen (siehe Abbildung 1).

Die Frage, ob Patienten die Möglichkeit der ultraschallgestützten Punktion durch Pflegekräfte positiv aufnehmen, wird von den befragten Leitungen zu 100 Prozent mit Ja beantwortet.

Zufriedene Anwender und Patienten

Die Evaluation der Schulungen ergab ein durchweg positives Ergebnis. Das Erlernte wird im Dialysealltag sofort umgesetzt, die häufigste Indikation ist die schwierige Punktion. Patienten bewerten die Ultraschallanwendung positiv und Nephrologen wie auch Pflegedienstleitung befürworten die Schulung und den Einsatz.

Erfahrene Shuntchirurgen wie Professor Dr. med. Gerhard Krönung, Wiesbaden, bezeichnen die Punktion ohne Ultraschalltechnik als „blinde Punktion“, welche heute nicht mehr zeitgemäß ist.

Anfuehrungszeichen

Die Punktion großlumiger Gefäße ohne Bildgebung gilt in der Intensivmedizin bereits heute als Kunstfehler. Da keine Kontraindikationen der ultraschallgestützten Punktion bekannt sind, ist der Einsatz dieser leicht zu erlernenden Technik auf die Shuntpunktion nur konsequent.

 

Abb. 1 Ergebnisse einer internen Umfrage zum Einsatz der ultraschallgestützten Shuntpunktion.

 

Abb. 2 Praktische Übungen der Schallkopfführung am Dialyseshunt. © Bild: ifw

 

Abb. 3 Praktische Übungen der Schallkopfführung am Phantom aus Gelatine. © Bild: ifw

Literatur:

  1. Brescia MJ, Cimino JE, Appel K, Hurwich B: Chronic hemodialysis using venipuncture and a surgically created arteriovenous fistula. N Engl J Med; 275:1089-1092 (1966).
  2. Morgenstern T: Die sonographisch geführte Shuntpunktion – 8-jährige Erfahrung mit der systematischen Anwendung in einem Einzelzentrum. Dial akt, 17(04) (2013).

Seminare zur ultraschallgestützten Shuntpunktion in 2018:

Hamburg 27.02. - 28.02.2018
Bad Camberg 19.04. - 20.04.2018
Stuttgart 20.11. - 21.11.2018

Seminare zum Dialyseshunt und Dialysekatheter in 2018:

Hamburg 18.01. - 19.01.2018
Bad Camberg 17.04. - 18.04.2018

 

Inhouse-Schulungen auf Anfrage, weitere Informationen und Anmeldung auf www.ifw-dialyse.de

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