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Pflege

Besser lernen

eEducation in der Dialyse

eLearning hat seit der Jahrtausendwende erstaunliche Formen angenommen und birgt enorme Chancen für die betriebliche Fort- und Weiterbildung bis hin zur Patienten-Edukation, allerdings auch Risiken. Es halten sich hartnäckig gewisse Vorurteile zu diesem Thema, zugleich treten Befürworter hervor. Beide Seiten haben ihre Berechtigung, schließlich geht es um unser wichtigstes Kapital: unser Wissen. Mit diesem Artikel soll ein Zugang zum Thema eLearning geschaffen werden; zudem werden die Chancen und Risiken für die Bereiche Medizin und Pflege in der Nephrologie herausgearbeitet.

Schreibtisch mit Laptop, Handy, Kaffee, Schokolade und Notizblock

© Chris Adamus/Unsplash

eEducation und eLearning – worum geht es?

eLearning ist als Modebegriff in aller Munde. Nur wenige wissen wirklich, was sich hinter den Begriffen eLearning und eEducation verbirgt. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass eLearning eine Methode darstellt. Methoden finden sicherlich im eLearning Anwendung, sind ihrerseits jedoch didaktische Arrangements, die Lernziele voraussetzen und mögliche Wege beschreiben. eLearning ist auch nicht nur als „selbstgesteuertes Lernen“ zu verstehen, ganz im Sinne einer Zeitersparnis für die betriebliche Fort- und Weiterbildung.

Was ist es dann? Niemand würde behaupten wollen, dass beispielsweise ein Seminarraum oder ein Klassenzimmer eine Methode darstellt. Was hingegen in einem Klassenraum passiert, welche Methoden hier Anwendung finden, würden wir als Präsenzunterricht, also Face-to-Face bezeichnen, während eLearning am ehesten mit Face-to-Webinterface beschrieben werden kann. eLearning unter diesen „Gesichtspunkten“ meint eigentlich technologisch unterstütztes Lernen und so soll eLearning in diesem Artikel vornehmlich als softwareunterstütztes Lernen verstanden werden. Dabei geht es nicht darum, ob das Lernen selbstgesteuert stattfindet, auch nicht darum, wie schick ein Onlinekurs aufgebaut ist – es geht darum, wie der Lernprozess mit eLearning technologisch unterstützt werden kann.

Allerdings ergeben sich bei dieser Definition mit dem Modewort eLearning gewisse Einschränkungen, da darunter meist die Lehrperspektive abgehandelt wird, weniger die Lernperspektive.

eLearning

  • meint technologisch unterstütztes Lernen
  • kann am ehesten mit Face-to-Webinterface beschrieben werden
  • umfasst nur die Lehrperspektive

eEducation

  • umfasst den Begriff eLearning und meint die Unterstützung des Lernprozesses mit Software und digitalen Medien
  • schließt Lehrende wie auch Lernende ein
  • berücksichtigt die Aspekte des Lernprozesses bis hin zum Wissensmanagement
  • stellt die Interaktion von Mensch zu Mensch in den Vordergrund
  • steht für die Vermittlung von Kompetenzen

Die Begrifflichkeit eEducation umfasst sowohl Lehrende wie auch Lernende und berücksichtigt die Aspekte des Lernprozesses bis hin zum Wissensmanagement. Es geht um die Interaktion von Mensch zu Mensch und um die Vermittlung von Kompetenzen. Es ist also ein zutiefst pädagogisches Thema und beansprucht entsprechendes Hintergrundwissen und Handeln in Kombination mit fachlichen Interessen. Dieses Hintergrundwissen ist bei den Entwicklern von eLearning-Programmen nicht immer vorhanden, dennoch verbirgt sich hinter jeder Lernplattform ein organisations- und lerntheoretisches Modell – und zwar unabhängig davon, ob es den Entwicklern oder Anwendern bewusst ist oder nicht.1

Vom eLearning zum Blended-Learning

Der Boom um eLearning ist nach anfänglicher Euphorie um die Jahrtausendwende etwas abgeflaut, jedoch neuesten Medientrendberichten zufolge wieder stark im Kommen. Zu Beginn hatten Softwareentwickler und die IT-Branche eLearning mehr für sich beansprucht, als dies unter Pädagogen der Fall war. Damals wurde dem isolierten eLearning ohne Begleitung durch Lehrpersonen (Trainer) ein großes Potential beigemessen und dabei die Lernenden als „Lernkonsumenten“ verstanden. Die Ersparnisse seitens der Unternehmen wurden als enorm beziffert. Die Akzeptanz flaute schnell bei den Teilnehmern ab und die zu erwartenden, messbaren Kompetenzen blieben oftmals aus. Auch heute noch bedienen sich Unternehmen und die Industrie des isolierten, einseitigen eLearnings, das ein „Durchklicken“ von Informationsfolien mit Beschreibungen darstellt und mit anschließendem interaktiven Fragenkatalog den Lernerfolg sichern soll. Dies mag zur Absicherung „lästiger“ Qualitätssicherungsprogramme dienlich sein, hat allerdings wenig mit Kompetenzentwicklung und Wissensmanagement zu tun, auch nicht bei noch so optisch ansprechendem Design.

Die Beteiligung von Trainern und die Mischung von Präsenzanteilen und eLearning ist nach heutiger Auffassung zielführender. Das sogenannte Blended-Learning vereint Präsenz-Unterricht bzw. -Training mit eLearning und hilft Lücken zu schließen, die sich im Lernprozess ergeben.2 Die Betreuung durch Menschen, die mit den Lernenden in eine interaktive Beziehung treten, ist dabei von entscheidender Bedeutung und für den Lernerfolg unabdingbar. Lernen an sich ist nur in menschlicher Beziehung möglich3 und fordert die Bereitschaft, Ressourcen für den Lernprozess zur Verfügung zu stellen.

Was bedeutet dies für nephrologische Einrichtungen?

Sofern in den Unternehmen ein betriebliches Wissensmanagement etabliert ist und entsprechende Fortbildungen regelmäßig angeboten werden, ist die Ermittlung von Jobprofilen sowie die für ihre Ausführung notwendigen Kompetenzen und Fähigkeiten unerlässlich. Dadurch lassen sich Soll-Kriterien herausarbeiten, die im Ist-Soll-Vergleich Defizite und Verbesserungspotentiale aufzeigen. Für die jeweiligen Schulungen sollten die geeigneten Methoden gezielt ausgewählt werden, um auf diese Weise ein Blended-Learning-Konzept zu entwickeln, das speziell auf die Gegebenheiten des Unternehmens angepasst ist. Somit entfällt die routinemäßige Fortbildung mittels PowerPoint-Frontalvortrag, dessen Nachhaltigkeit ohnehin hinterfragt werden muss. Anstelle dieser Fortbildungen treten zielgerichtete Trainings in den Vordergrund, die online unterstützt und praktisch überprüft werden können.

Anfuehrungszeichen

An die Stelle von monatlichen Fortbildungen treten Trainings, die online unterstützt und praktisch überprüft werden können.

 

Zeitweise werden auch durch Industriepartner eLearnings angeboten, deren Aufmachung gefallen mag, allerdings nicht die Umstände der eigenen Einrichtung berücksichtigen können.

Praktische Umsetzung

Wie kann nun ein optimales Fortbildungsprogramm innerhalb eines Unternehmens umgesetzt werden? Nach der Ermittlung der betrieblichen Verbesserungspotentiale oder Einführung neuer Verfahren (Skills) und der Identifikation der betroffenen Akteure (Zielgruppe) werden geeignete Methoden eingesetzt. Dabei kann die Anwendung von eLearning kombiniert mit Simulationstrainings ein geeigneter Weg sein, um die erforderlichen Kompetenzen zu erlernen. Die Kompetenzen werden mittels Lernzielen beschrieben, die das jeweilige Niveau vom Anfänger bis zum Experten sichern sollen.4 Ein Lernziel beinhaltet sowohl den Zieladressaten wie die Dimensionen „Wissen, Können und Haltung“. Ausgehend von der gründlichen Zielanalyse und der Zielbeschreibung kann ein geeignetes didaktisches Design konstruiert werden, um möglichst breite sowie vielfältige Lösungs- und Lernstrategien zu beschreiben, denn nicht jeder Teilnehmer lernt auf dieselbe Weise. Durch Training in geeigneten Übungsräumen wird schließlich theoretisches Wissen mit praktischem Können zusammengeführt und überprüft. Die jeweilige Haltung des Teilnehmers in Bezug auf die jeweilige Aufgabe oder Tätigkeit trägt entscheidend zur Nachhaltigkeit bei. Denn es macht wenig Sinn, wenn die Maßnahme erlernt und korrekt ausgeführt wird, deren Akzeptanz aber nicht vermittelt werden konnte. In diesem Fall ist die Gefahr groß, dass die Einhaltung einer routinemäßigen Ausführung im Laufe der Zeit immer mehr vom „Soll-Kriterium“ abweicht (s. Abbildung 1).

Abb. 1 Ist-Soll-Analyse (eigene Aufstellung)

Ob der theoretische Inhalt – meist werden hier Wissensbezüge hergestellt – nun per Vortrag (Präsenz) oder durch eLearning vermittelt wird, hängt davon ab, wie gut sich der Inhalt mit der jeweiligen Methode darstellen lässt. Es gibt aus der Lernforschung keinen signifikanten Hinweis, dass sich dabei ein Frontalvortrag besser eignet als eine Methode, die über eLearning oder Lesen bereitgestellt wird.5 Teilweise konnten mit geeigneten Methoden mittels eLearning bessere Lernerfolge erzielt werden. Allerdings ist die Beliebtheit des Frontalvortrags immer noch hoch trotz geringerer Wissensvermittlung – mag dies daran liegen, dass sich Vortragende wertgeschätzt fühlen und Teilnehmer gerne die „Kinoatmosphäre“ bevorzugen. Sehr hilfreich können eTutorials (Erklärvideos) sein, die sich sowohl zur theoretischen Wissensvermittlung als auch für praktische Inhalte eignen. Aber auch kurzweilige, spielerische eLearning-Programme (Stichwort Gamification), die als Vorbereitung für die praktische Umsetzung dienen können, sind Beispiele für die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von eLearning.

Baumgartner konnte insgesamt 133 Methoden identifizieren, die entweder als eLearning oder im Präsenzunterricht stattfinden.6 Es geht also nicht um ein dafür oder dagegen, sondern um ein sowohl als auch. Beides wird benötigt: Face-to-Face und Face-to-Webinterface. Die zielführende Anwendung von eLearning ist folglich nicht durch die Anschaffung geeigneter Software herzustellen, sondern benötigt eine methodische Herangehensweise. Die Identifikation der Probleme im Unternehmen und die Auswahl geeigneter Bildungsmaßnahmen bzw. -methoden sind von entscheidender Bedeutung. Leider finden sich auf dem Markt sehr viele Hersteller von eLearning-Software, die diesem Anspruch nur selten gerecht werden und die spezifischen Herausforderungen der jeweiligen Einrichtungen nicht kennen. Die Eigenherstellung eines Amateurvideos kann dabei viel schneller die jeweiligen Bedürfnisse zentrumsnah verwirklichen und stößt auf höhere Akzeptanz bei den Mitarbeitern. Die Ergänzung in einer Teambesprechung kann dabei die Haltung einzelner Kollegen verstärken. Eingebettet in das betriebliche Wissensmanagement ist dieser Weg besser geeignet als die zuvor erwähnte Monatsfortbildung, die trotz hohem Unterhaltungswert wenig Verbesserungen oder Änderungsbereitschaft in der Arbeitsweise bewirken wird.

Fazit

eEducation umfasst den Begriff eLearning und meint die Unterstützung des Lernprozesses mit Software und digitalen Medien. Lern- und Lehrpersonen sowie Lernziele und geeignete Methoden spiegeln sich in diesem Prozess wider. Mischformen zwischen online-gestütztem Lernen und Präsenzunterricht bzw. -training sind nach heutigem Untersuchungsstand zielführender als isolierte eLearning-Formate. Für die Umsetzung in den Unternehmen ist die Einführung von Wissensmanagement notwendig, um die betriebsspezifischen Herausforderungen zu bewältigen.

Der Ankauf von entsprechender Software ist in der Regel nicht notwendig, vielmehr kommt es auf die konzeptionelle Herangehensweise an. Die Einführung des betrieblichen Wissensmanagements kann betriebsinterne Ziele effizient verwirklichen, wenn es an den Bildungsadressaten ausgerichtet ist. Allen voran gilt es, die Bildungsadressaten in ihren Wissensbedürfnissen zu beteiligen.

Literatur:

  1. Baumgartner P, Häfele H, Maier-Häfele K: Lernplattformen für das Corporate e-Learning. http://peter.baumgartner.name/wp-content/uploads/2012/12/Baumgartner_Haefele_Haefele_2004_Lernplattformen-fuer-das-Corporate-eLearning.pdf, letzter Aufruf: 13.06.2017.
  2. Erpenbeck J, Sauter W: Kompetenzentwicklung im Netz. New Blended Learning mit Web 2.0. Berlin: epubli GmbH (2014). https://nbn-resolving.de/urn:nbn:-de:101:1-2014121923724, letzter Aufruf: 13.06.2017.
  3. Hüther G: Mit Freude lernen – ein Leben lang. Weshalb wir ein neues Verständnis vom Lernen brauchen. Sieben Thesen zu einem erweiterten Lernbegriff und eine Auswahl von Beiträgen zur Untermauerung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (2016).
  4. Erpenbeck J, Sauter W: Stoppt die Kompetenzkatastrophe! Wege in eine neue Bildungswelt. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag (2015).
  5. Reinmann G: Studientext Didaktisches Design. Hamburg (2015). http://gabi-reinmann.de/wp-content/uploads/2013/05/Studientext_DD_Sept2015.pdf, letzter Aufruf: 13.06.2017.
  6. Baumgartner P: Taxonomie von Unterrichtsmethoden: Ein Plädoyer für didaktische Vielfalt. Münster: Waxmann Verlag (2014).
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